2016 - Jahr der Barmherzigkeit

„Eine Blick auf´s Jahr in diesen Zeiten"

Das Bild

er malte viel

in der farbe grün

denn

grün ist

die farbe

der hoffnung`   ( D.S., Sept. 2017)

 

So konnte Detlev dichten,– nach fast durchgängigen sieben Jahren Obdachlosigkeit in der Recklinghausener Innenstadt – und nach zähem Ringen mit allen Ebenen um Veränderung, nachdem nun ein kleiner Wohnwagen sein Zuhause ist, in dem er Gedichte schreibt, malt und ein neues Zuhause hat. Die Obdachlosensituation insgesamt ist nicht so hoffnungsvoll. Die Zahlen sind sehr gestiegen und nach wie vor fehlt eine niedrigschwellige Übernacht-ungsmöglichkeit für jedermensch in der Innenstadt. Das Bemühen um Unterbringung hat sich gebessert; dennoch schlafen noch zu viele draußen und bleibt auch der soziale Wohnungsbau nach wie vor auf der Strecke.

Mit unseren Freunden von der Straße haben wir in diesem Jahr einen „Stadtgang von unten“ entwickelt, der Orte von Ermutigung und von Herausforderung aufsucht. Einmal war sogar ein WDR-Team mit auf den Weg und in der „Aktuellen Stunde“ konnten viele Zuschauer erleben, was unseren Freunden von der Straße wichtig ist. Im Sommer waren wir übrigens zur NRW-Obdachlosenwallfahrt nach Essen, wo es ein buntes Treffen vieler Strassenfreunde aus ganz NRW gab und Bischof Overbeck sich den Nachmittag mit uns Zeit genommen hat. Leider mußten wir auch wieder einige Freunde verabschieden: „Hase“, Moni, Mario, Dieter und Maurice sind uns besonders schwer gefallen. Mario konnten wir bei uns im Haus bis in seinen Tod begleiten. Mit Maurice, 3o, waren wir noch am Allerheiligentag auf dem Nordfriedhof - mit viel Mühe besuchte er mit uns die Gräber der Freunde; einige Tage darauf verstarb er, weil er einfach keine Kräfte mehr hatte.

Daneben gab es aber auch viel Schönes: manch tollen Ausflug, Upcirclen, Gemüse aus dem Urban-garden Projekt, ein Schalkespiel, eine Ratspedition zum Glücksspielstaatsvertrag...

Der Newsletter, den jede/r erhalten kann, dessen e-mail-Adresse wir haben ( einfach die Mailadresse in die Box hinten in der Gastkirche einwerefen), berichtet 14-tägig davon.

Vor 1000 Jahren wurde Recklinghausen erstmals erwähnt, was vielfach gefeiert wurde.

Wir haben den Stadtgottesdienst in abrahamitischer Ökumene ( Juden, Christen und Muslime) mitgestaltet und eine 1000 Löffel umfassende Galerie vor unserem Gasthaus mit Helmut Heinze gestaltet. Bürger, denen es wichtig ist, daß niemand, der es schwer hat, seinen „Suppe alleine auslöffeln muß“, konnten dafür Löffel stiften. Wir haben für die nächsten Jahre genug Löffel...! Toll! Einen langen RE-spekt-Tisch, der jedermensch zum Teilen von Kaffee und Kuchen einlud, gab es in diesem Jahr im Stadtteil Hochlarmark, einer alten Zechenkolonie. Wir hatten herrliches Wetter und eine tolle Beteiligung: Einheimische und Flüchtlinge, Menschen mit Behinderung und ohne, Freunde der Straße und Freunde des Wohnzimmers...Zur Flüchtlingsthematik konnten wir Außenminister Siegmar Gabriel im August im Gasthaus begrüßen und mit ihm die Abschiebungen nach Afganisthan besprechen. Es war ein sehr ernsthaftes und gutes Gespräch des Gasthausrates und des Flüchtlingskreises an der Gastkirche mit ihm und dem MdB Frank Schwabe. Zuvor war Regierungspräsidentin Dorothee Feller zur Integrationsfrage bei uns im Haus.

Manches stand in diesem Jahr im Zeichen des 5oojährigen Gedenkens der Reformation. Den Auftakt bildete die Predigt von Christian Siebold, leitender Pfarrer des evgl. Kirchen-verbandes. Prof. Dorothee Sattler und Prof. Hubertus Lutterbach waren zur theol. Ver-tiefung unsere Gäste. Dr. Wolfgang Kessler, Chefredakteur bei Publik Forum, hielt im ökom. Martinsgottesdienst die Ansprache, die die ökonomische „Schieflage“ in der Welt aufzeigte.

Im katholischen Bereich gab es im zurückliegenden Jahr die Fortführung eines Stadtkonzils, das wir – auf unserem Hintergrund als Citypastoralort und Sozialem Punkt in unserer Stadt und Stadtkirche – mitgestaltet haben. Es war ein spannender Prozess, da viele beteiligt waren und die Bedeutung menschennaher und lebensraumorientierter Pastoral markiert wurden. Auch äußerlich hat sich etwas erneuert: unser Eine Welt Laden hat ein neues „Out-fit“ bekommen, mitgestaltet mit viel Engagement von unserem Eine Welt Team. Er ist der Ausgangspunkt vieler Verbindungen in alle Welt: nach Brasilien; Indien, Namibia, Peru...

Neben dem 1000 jährigen Stadtgeburtstag gab es einen 8o. Geburtstag, den wir von Herzen mitfeiern durften: Bernhard Lübbering, der 1978 mit einer Gruppe von Ordensleuten dem

Gasthaus eine neue Öffnung gab, feierte in diesem Jahr sein 5ojähriges Priesterjubiläum und seinen 8o. Geburtstag. Es ist schön, daß er dem Gasthaus weiter sehr verbunden ist.

Im zurückliegenden Jahr haben wieder belebend – neben manchen Sozial- und Schulpraktikanten, sowie Menschen in Krisensituationen - einige Menschen bei uns in der Kommunität für längere Zeit mitgelebt: so Pfarrer Wacker, der jetzt in einer Dortmunder Gemeinde auch einen Auftrag in der Obdachlosenseelsorge wahrnimmt und Schwester Verona, die neu in die Gemeinschaft der Lüdinghäuser Franziskanerinnen aufgenommen wurde. Es ist auch schön, daß sich immer wieder Menschen zum Freiwilligenengagement bei uns melden. Wir können uns da wirklich nicht beklagen – im Gegenteil. So können wir z.B. - dank vieler Engagierter - eine neue Ausbildung für das „Offene Ohr“ in 2018 starten.

„Gestartet“ sind auch wieder viele Pilger/Innen mit uns: auf Jakobswegen in Deutschland, Frankreich und Spanien... Auf dem Weg tut sich manches neu auf...

Es ließe sich noch vieles erzählen aus dem Leben des Jahres 2017. Mit ganz vielem verbindet sich Dankbarkeit, die wir gern weitergeben.

Wir wünschen Ihnen/ Dir, dass viel „grün gemalt“ werden kann – im neuen Jahr:

ein hoffnungsvolles Neues Jahr 2018 – mit Gottes Weggeleit!

                                                                 Das Gasthausteam und der Gasthausrat