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Corona und Hunger: Weiße Flaggen als Notsignal

Was bei uns eine Gesundheits-, Ausgeh- und Kurzarbeitskrise ist, entwickelt sich in anderen Weltregionen zur Hungerkrise:

In normalen Zeiten arbeiten sie als Hausangestellte oder Wäscherinnen, als Gärtner oder Fahrer, verkaufen ihre landwirtschaftlichen oder handwerklichen Produkte auf den Märkten größerer Städte, in den Touristenzentren oder als Straßenhändler. Aber nun hat die Corona-Pandemie auch Guatemala erreicht. Wie überall wurden auch in Mittelamerika Maßnahmen beschlossen, um der Verbreiterung des Virus entgegen zu treten.Ramazzinimix

So gilt von 16.00 Uhr am Nachmittag bis um 4.00 Uhr des nächsten Tages eine Ausgangssperre und der öffentliche Busverkehr ist eingestellt worden. Die „Risiken und Nebenwirkungen“: Viele Menschen, die im sog. informellen Bereich arbeiten, ist es nicht mehr möglich, ihre Arbeitsstellen zu erreichen oder ihre Produkte auf den Märkten zu verkaufen. Die Familien sind nicht in der Lage, Lebensmittel zu kaufen.

Coban aNachdem die Schulen geschlossen wurden, werden ihre Kinder auch nicht mehr mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Die Kosten für diese zusätzliche Mahlzeit können viele Familien nicht aufbringen.

Problematisch ist auch die Gesundheitsversorgung. Die Krankenhäuser befinden sich fast ausschließlich in den wenigen größeren Städten des Landes und sind für die Landbevölkerung kaum zu erreichen. Die Versorgung mit Desinfektionsmitteln, Handschuhen und Mundschutz ist ungenügend. Die Dunkelziffer der Infizierten wird deutlich über den offiziellen Angaben (ca. 500) liegen.

In einem Bericht der Zeitung „Prensa Libre“ berichtet eine Frau: "Wir brauchen Nahrung, aber das ist nicht unsere einzige Sorge. Bei uns gibt es kein fließendes Wasser in unseren einfachen Häusern, so dass das regelmäßige Händewaschen als eine der Hauptbedingungen zur Vermeidung von Infektionen gar nicht möglich ist.“

In Guatemala sind 60% (!) der Einwohner von Armut betroffen, und die von Covid-19 verursachte Krise hat ihre Lage noch verschärft. Weiße Flaggen an den Häusern sind zu einem Notsignal geworden, um die Menschen wissen zu lassen, dass die dort lebenden Menschen keine Lebensmittel mehr haben und hungern.

Seit vielen Jahren unterhalten Eine-Welt-Initiativen freundschaftliche Kontakte zu Kardinal Álvaro Ramazzini, der letztmalig im Jahr 2018 Recklinghausen besuchte. In einem Telefonat in der letzten Woche berichtete er von der derzeitigen Situation: „Unser größtes Problem ist, dass die Schutzmaßnahmen vor dem Corona-Virus die Menschen bei uns an den Rand des Hungertodes bringen.“ Er versucht, ein Netzwerk an Unterstützung aufzubauen.