Aktuelles

Seenotrettung


Antrag an den Rat der Stadt Recklinghausen

Im Wissen, dass die eigentliche Entscheidungsebene im Bereich der Flüchtlinge auf der Regierungsebene, insbesondere beim Innenministerium, liegt – wenden wir uns dennoch, da Demokratie von der Basis lebt, an den Rat der Stadt Recklinghausen.

Wir bitten nachdrücklich die politisch Verantwortlichen in der Stadt Recklinghausen dem Städtebündnis „Sichere Häfen“ beizutreten.

1. Nach wie vor ertrinken wöchentlich vor unseren Augen Menschen im Mittelmeer, die aus ihren Heimatländern aus politischen, ökologischen oder Armutsgründen flüchten.

Über 2600 registrierte Tote gab es im Jahr 2018.

Im Jahr 2019 gibt es bis jetzt schon wieder hunderte Leichen im Mittelmeer.

2. Es gehört zu den Grundprinzipien menschlichen Handelns, Menschen zu retten, die in Todesnot sind – insbesondere auch auf der See.

Durch nichtstaatliche Seenotrettung konnten im letzten Monat Mai 2100 Mit-menschen zwischen Nordafrika und Südeuropa aus Todesnot gerettet werden.

3. Es ist ein Skandal, dass zivile Seenotrettung verhindert wird, ja kriminalisiert wird.

4. Wir können und wollen nicht zuschauen beim Sterben vor unserer Haustür – gerade auch im Bewusstsein unserer eigenen deutschen Geschichte.

Der Frage künftiger Generation: „Warum habt Ihr nichts getan? Ihr habt es doch gewusst!“ - möchten wir keine Grundlage geben.

5. Wir bitten die Stadt Recklinghausen daher, dem Bündnis von aktuell – neben vielen europäischen Städten - über 60 deutschen Städten, u.a.: Krefeld, Hildesheim, Detmold, Freiburg, Berlin, Dortmund, Münster..., beizutreten, die sich zum „Sicheren Hafen“ für Flüchtlinge aus der Seenotrettung erklärt haben.

Das Bündnis ist überparteilich und europäisch und drückt die Bereitschaft zur Aufnahme von aus Lebensnot geretteten Flüchtlingen aus.

6. Das Sterben im Mittelmeer ist kein unvermeidliches Unglück oder Schicksal.

Nichthandeln ist bewusste Tötung.

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„Tagelang fuhr ich mit einem 2-jährigen, toten Jungen in der Tiefkühltruhe in inter-nationalen Gewässern auf und ab, weil kein europäisches Land ihn retten wollte, als es noch möglich war und sie uns dann einen Hafen verwehrten.

Seine Mutter war auch bei uns an Bord. Lebendig. Was sage ich einer traumatisierten Frau, deren Kind da in meinem Gefrierschrank liegt, über den Friedensnobelpreisträger EU?“

                                                                  Pia Klemp, Kapitänin der Sea-Watch 3

1 aNeben vielen nicht wahrgenommenen Opfern gibt es seit 2002 - 35.597 registrierte Tote bisher an den europäischen Außengrenzen...

In einem Osterappell haben sich über 200 Abgeordnete – ein Drittel des deutschen Bundestages - Unterstützung für die zivile Seenotrettung gefordert.

Die Bundesländer Berlin und Brandenburg möchten ein humanitäres Ausnahme-programm für aus Seenot gerettete Menschen nach § 23 I des Aufenthaltsgesetzes aufstellen.

Am 13.6.2019, nahm die Seawatch III Menschen auf, die in Seenot waren. Die Dramatik zur sicheren Übergabe der aus Seenot Geretteten geschah vor den Augen ganz Europas – und ging mit der Arrestierung und Anklage der Kapitänin einher. Die Kriminalisierung der Rettung wurde und wird hier mehr als deutlich.

Die Unveräußerlichkeit von Menschenrechten darf 70 Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte nicht zur Debatte stehen.

Was antworten wir unseren Kindern und Enkeln, wenn sie uns später ungläubig fragen, wie wir das Mittelmeer zum größten Friedhof Europas lassen werden konnten?

Wie können wir zusehen, wie erst staatliche Rettungsprogramme abgeschafft und dann die privaten Retterinnen und Retter in europ. Gefängnisse gesteckt werden?

Wie konnten wir zulassen, daß unsere Steuergelder kriminellen lybischen Gruppen gezahlt wurden und werden , damit sie uns -vergewaltigend, folternd und mordend - die Geflüchteten „vom Hals halten“?

Wir können nicht sagen, dass wir davon nichts wussten.

Aber wir können jetzt dafür sorgen, dass wir ihnen sagen können:

Wir haben uns diesem Unrecht entgegengestellt.

Eine Initiative der Gastkirche in Koordination mit der „Seebrücke“ und weiteren

Gruppen, Kreisen, Gemeinden und Bürgern Recklinghausens.

Eine nachdrückliche Bitte an die politisch Verantwortlichen unserer Stadt - ein Signal zu setzen durch den Beitritt zum Bündnis europäischer Städte: „Sichere Häfen“ - und eine Aufforderung an die in diesem Bereich verantwortliche Ebene des Innenministeriums zur Wiederaufnahme eines europ. Seenotrettungsprogramms!