Berichte und Aktionen

                                                                 Recklinghausen, in der Adventszeit 2018

Liebe Interessierte und Freunde/Innen von Gasthaus und Gastkirche!

 

Ein gesegnetes und zum menschlichen Leben ermutigendes

                                                 Fest der Geburt Jesu sei gewünscht!

Unsere Jetztzeit und in ihr die gesellschaftliche Wirklichkeit - einschließlich der kirchlichen Situation als Teil dieser Wirklichkeit - ist nicht besonders „weihnachtlich" gestimmt. Oder vielleicht doch gerade, denn mit der Geburtsszenerie, so wie sie biblisch geschildert wird, gehen Ablehnung, Lüge, Gewalt, Verschlossenheit, Macht-missbrauch ... einher - und dem begegnen Menschen zur Zeit überall. Weihnachtliche Wirklichkeit ist aber auch, dass da hinein eine neue Menschlichkeit kam, die einfach göttlich war und bis heute ist. Nicht zuletzt ist deswegen diese Welt „Gottes voll"    (A. Delp) Das lässt uns feiern in allem und trotz allem - und mutig einen anderen Lebensentwurf einbringen.

Gefeiert haben wir in diesem Jahr die 40 Jahre „neue Offenheit an Gastkirche und Gasthaus", die mit dem 1. Advent 1978 begannen. Damals zog eine gemischte Gemeinschaft von Ordenschristen mit Pfr. Bernhard Lübbering ins Gasthaus ein und sie setzten neue Akzente im diakonischen Bereich und in der Citypastoral. Nachdem wir die „Feiertage" mit und für die Freunde von der Straße begonnen hatten, hat Prof Norbert Mette theologisch die „Glutöfen" beleuchtet als Orte, wo der Gott lebendig gehalten wird, der mit Gerechtigkeit und einer Liebe zu den Armen zu tun hat. Ehemalige Mitarbeiter, Ordensbrüder und Ordensschwestern kamen zu diesen „Feier-tagen" auch mal wieder zum alten Ort. Mit einigen von ihnen und dem jetzigen ehrenamtlichen Mitarbeiterkreis haben wir das „Danke-schön" für diese Zeit gefeiert. Abgerundet wurde das Fest mit einem Gottesdienst zum 1. Advent in der St. Peter-kirche, in der vier wichtige Elemente an Gastkirche und Gasthaus zu „Verkündigung" kamen, d.h. Menschen erzählten vom Leben um den kleinen Kirchturm und den Orten der Gastkirche. In der Feier haben zwei Chöre der Gastkirche gesungen und unsere Instrumentalisten haben begleitend mitgestaltet.

Kurz davor, im November, haben wir die 30 Jahre der Trauerarbeit an der Gastkirche begangen. Was als Pionierarbeit begann - ist nicht mehr wegzudenken. Und die Resonanz dieser Tage zeigte noch einmal die Bedeutung für Menschen in Trauersituationen auf. Das Jahr hatte aber auch noch andere Akzente: Gleich zu Beginn des Jahres wurde die bundesdeutsche Woche der Brüderlichkeit in Recklinghausen eröffnet. Mit mehreren Veranstaltungen waren wir beteiligt - vom Klezmerkonzert über ein Stolpersteingedenken für die ermordete Familie Markus in unserer erweiterten Nachbarschaft, eine theologische Verortung des jüdisch-christ-lichen Verhältnisses bis hin zu einer bemerkenswerten Pankok-Ausstellung: „Die Macht schlug die Liebe zu Boden".

In der Jahresmitte war der Münsteraner Katholikentag zur Friedensthematik für uns ein wichtiges Ereignis. Mit den Freunden von der Straße aus ganz NRW haben wir uns auf den Weg durch Münster gemacht: zu Orten von Unfrieden und Frieden, haben ge-meinsam einen Gottesdienst „etwas anderer Art" in St. Lamberti gefeiert und im In-terview auf der offenen Bühne mit einem Freund von der Straße etwas vom Alltag am Rande der Gesellschaft weitergeben können. Als Gastkiche hatten wir - neben weiteren Veranstaltungen- auch erstmals einen Stand auf einem Kirchentag, der Info- und Treffpunkt wurde.

Für den Ruhrgebietsraum ging in diesem Jahr ein langes Kapitel Bergbaugeschichte zu Ende. In der Männerarbeit an der Gastkirche haben wir uns damit befasst, was das bedeutet: in der Prägung, im Alltagsbewusstsein, im gesellschaftlichen Leben.... Das war auch Thema der Recklinghäuser Lichterwochen, bei denen unsere Gastkirche und das Gasthaus besonders angestrahlt wurden. Viele Hunderte von Menschen haben in den Tagen unsere -nur mit Kerzen erleuchtete- Kirche aufgesucht.

Ein Höhepunkt war im zurückliegenden Jahr die Benennung unseres kleinen Gastkirchenplatzes nach dem Erzbischof Oskar Romero am Tag seiner Heilig-sprechung in Rom. Als Bezeuger einer Kirche der Armen und Stimme der Gerech-tigkeit wurde er in der Militärdiktatur EI Salvadors ermordet. Mit vielen hier und ver-bunden mit den Menschen Lateinamerikas haben wir den Tag begangen.

Wir konnten auch wieder manche Impulse aufnehmen: von Bernd Mühlbrecht über die katastrophale Situation der EU-Ostflüchtlinge, von Norbert Arntz über die Akzente einer neuen Kirche bei Franziskus, von Werner Greulich über das Lebensende und von Pierre Stutz über die Kraft von Wut und Zorn.

Wolfgang Thierse, der bei uns zu Gast war, hielt eine bemerkenswerte Ansprache im ökum. Martinsgottesdienst zum „Christsein in der Einwanderungsgesellschaftt und In-go Anderbrügge erzählte sehr authentisch von der Wirklichkeit der Fußballwelt. Bunt geht s bei uns zu. Das spiegelt sich auch in der Vielfalt der Themen wider. Ganz bunt war übrigens der „Geierabend", so eine Art „karnevalistische Stunksitzung" im Ruhr-pott, für die wir mit den Freunden von der Straße seit einigen Jahren Freikarten bekommen.

In alternativen Stadtgängen haben wir die Innenstadt von Recklinghausen aus ver-
schiedenen Perspektiven angeschaut: aus der Perspektive der „Freunde von der Strasse" (Stadtgang von unten) oder aus der Perspektive der Probleme, die mit der Globalisierung einhergehen (FAIR-führt). Manche/r sieht die Stadt mit neuen Augen.

Nach drei Jahren konnte eine Pilgergruppe in diesem Jahr das Ziel Santjago de Com-
postella erreichen und eine andere Clairvaux, den Wirkort des Hf. Bernhard. Spirituell
waren wir wieder zweimal je für eine Woche in Taize, mit dem uns schon lange eine
Freundschaft verbindet. Auch gab es beeindruckende Strassenexerzitien in Reckling-
hausens Innenstadt ...

So manches ließe sich noch erzählen: Von Gesprächen mit den Freunden von der Straße am Frühstückstisch....., vom Dialog mit der Verwaltung über sozialen Woh-nungsbau und den Umgang mit der neuen Spielothekengesetzgebung. .. , von medi-tativen Tanzabenden. .. , von Möbelabholaktionen. .. , dem Upcycling. .. , den eine Welt-Aktionen und Second-hand Aktivitäten. ..

Wir haben allen Grund Dank zu sagenfür so viel „buntes Leben ", für verlässliches
Engagement und für ganz, ganz viel Verbundenheit: DANKE! Es ist einfach schön, dass für viele Gasthaus und Gastkirche gute Orte sind und dass so viele das bunte Leben mittragen.
Manchmal mag auch der Heilige Geist dabei mitwirken, dem wir zutrauen, dass er „belebt",
Neues eröffnet - und die Armen nicht aus den Augen verliert.

In diesem Sinne: uns allen ein von wachen Menschen und vom Heiligen Geist begleitetes gesegnetes neues Jahr 2019!                                                                 .

Kommunität und Gasthausrat