Spiritualität

Liturgischer Impuls zum Miteinander von Judentum - Christentum

 

Shalom chaverim

In einem römischen Dokument des Jahres 321 werden erstmals Juden hierzulande erwähnt.

Nach der Zerstörung Judäas im Jahre 70 durch die römische Besatzungsmacht gelangten Juden nach Germanien. In Worms, Mainz, Speyer und Köln entstanden blühende hebräische Gemeinden.

Es gab grandiose Phasen des Einklangs und düstere bis zur Vernichtung in der 1700 jährigen gemeinsamen Geschichte.

In diesem Jahr begehen wir das 1700 jährige Jubiläum, das auch ein Miteinander von Juden und Christen ist.

Das Christentum ist aus dem biblischen Judentum entstanden – und doch haben Christen auch immer wieder die Geschichte des Antijudaismus mitgeprägt und so den Wurzelgrund und die Geschwister missachtet.

 

Ein Gebet mit Worten aus dem Psalm 31:

„Jauchzen will ich, mich freuen Deiner Huld, der Du mein Elend angesehen,

erkannt hast meines Lebens Nöte.

Du stelltest meinen Fuß in weitem Raum.

Jahwe, lass mich nicht zuschanden werden, denn ich rufe Dich an.

Zuschanden werden sollen die Frevler, in der Gruftwelt zum Schweigen gebracht.

Verstummen sollen die Lügenlippen.

Wie reich ist das Gute Dein, das Du denen bereitest, die vor den Menschen sich bergen bei Dir.“ 

Gebet:

Gott – Du Geborgenheit Deiner Menschen / Deines Volkes.

Kein Kundschafter vermag uns die ganze Geschichte zu vermitteln:

von Liebe und Willkür, von Erwählung und Versklavung, von Befreiung und

Elend, von Hoffnung und Ermordung, von Freude und Leid…

In Dir tauchen wir ein – verbunden mit unseren älteren Glaubensgeschwistern:

in Deinen Trost, in Deine Parteilichkeit, in Deine Hilfe -

aber auch: in Dein Schweigen, Deine Ohnmacht, Deine Dunkelheit:

jetzt, immer wieder – bis in Ewigkeit. Amen

 

Bitten:

Adonai, Allmächtiger und Barmherziger – wir beten zu Dir:

 

1. Fürbitte: Der Anschlag auf die Gläubigen in der Synagoge in Hanau…, der alltägliche Polizeischutz für die jüdischen Mitbürger…, die Ermordung Walter Lübckes…

Gott, wir bitten Dich für unsere jüdischen Glaubensgeschwister – und alle, denen mit Hass aus faschistischem Denken heraus begegnet wird, dass Du sie birgst.

- Stille -

2. Fürbitte: Der jüdische Philosoph Martin Buber prägte das dialogische Prinzip:

Alles wirkliche Leben ist Begegnung…

Gott, schenke den Juden und Christen sowie den Menschen aller Religionen und Weltanschauungen Momente, Orte, Feiern und Alltagserfahrungen bereichernder Begegnung.

- Stille -

3. Fürbitte: Folter, Terror und Krieg sind schreckliche Realität in vielen Teilen der Welt…

Gott, wir bitten Dich um den Mut, der Grausamkeit und Unmenschlichkeit Dein Wort und unsere Tat entgegenzustellen.

- Stille -

4. Fürbitte: Ungezählt sind die Menschen, die den Progromen und dem Terror des Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind…

Gott, wir bitten Dich für alle Opfer, besonders auch unsere jüdischen Glaubensgeschwister und Mitmenschen, dass sie mit ihren Qualen und Leiden bei Dir aufgehoben sind.

- Stille -

Gott, Allmächtiger, Barmherziger – vergiß uns nicht – Deine Menschen: jetzt und in Ewigkeit.

 

Friedensgebet:

 

Ich stelle mich auf die Seite des Friedens.

Ich stelle mich auf die Seite der Opfer.

Ich stelle mich nicht taub.

 

Ich stelle mich zu denen, die nach Orientierung fragen.

Ich stelle mich zu denen, die für mehr Gerechtigkeit eintreten.

Ich stelle mich nicht dumm.

 

Ich stelle mich zu denen, die den ersten Schritt tun.

Ich stelle mich zu denen, die die vergangenen Wege nicht vergessen.

Ich stelle mich zu denen, die für die Zukunft kämpfen.

( Hevenu shalom )

Hilde Domin

 

Bitte

 

Wir werden eingetaucht und mit dem Wasser der Sintflut gewaschen,

wir werden durchnäßt bis auf die Herzhaut.

 

Der Wunsch nach der Landschaft diesseits der Tränengrenze taugt nicht,

der Wunsch, den Blütenfrühling zu halten, der Wunsch verschont zu bleiben, taugt nicht.

Es taugt die Bitte, dass bei Sonnenaufgang die Taube den Zweig vom Ölbaum bringe.

Dass die Frucht so bunt wie die Blüte sei, dass noch die Blätter der Rosen am Boden eine leuchtende Krone bilden.

Und dass wir aus der Flut, dass wir aus der Löwengrube und dem feurigen Ofen immer versehrter und immer heiler stets von neuem zu uns selbst entlassen werden.

Segen:

Der Herr segne Dich und behüte Dich;

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir

und sei Dir gnädig;

der Herr erhebe sein Angesicht über Dich

und gebe Dir seinen Frieden.