Spiritualität

Gründonnerstag Gottesdienst

Gründonn

 

Lied: Wir ziehen aus aus der Brotlosigkeit

         in das Land, wo Milch und Honig fließt.

         Wir ziehen aus aus der Hoffnungslosigkeit,

         komm steh auf, wir ziehen aus.

 

Einführung

Angespannt war die Stimmung beim Pascha Mahl – damals bei den Israeliten vor ihrem Auszug aus Ägypten. Hastig aßen sie das Lamm: Schuhe und Bündel geschnürt, den Stab in der Hand, bereit zum Aufbruch: Hinter ihnen Ausbeutung, Versklavung und Elend, vor ihnen die Freiheit, aber auch ein langer Weg durch Angst, Ungewissheit und Lebensgefahr.

 

Angespannt war die Stimmung beim Abschiedsmahl Jesu mit seinen Freundinnen und Freunden. Für Jesus war der Paschaabend die Nacht vor seinem Tod. Angst stand im Raum, Abschiedsschmerz, Verrat - aber auch Liebe, Vertrauen und innige Verbindung.

 

Angespannt ist die Stimmung an diesem Gründonnerstag, an dem wir uns an das Pascha Mahl der Israeliten und an das Mahl Jesu erinnern. Nicht alle sind hier, die gerne hier wären. Nicht alle sind gesund und unversehrt. Andere fehlen, weil sie der Kirche aus Enttäuschung und Resignation den Rücken gekehrt haben. Angst steht im Raum, Unsicherheit und Perspektivlosigkeit.

 

An diesem Abend erinnern wir uns daran, dass Jesus sein Leben und seinen Tod gedeutet hat im Zeichen des gebrochenen und geteilten Brotes.

 

An diesem Abend erinnern wir uns daran, dass Jesus sein Leben in einer bedeutungsvollen Geste zusammengefasst hat: er hat seinen Freundinnen und Freunden die Füße gewaschen. Er hat sich dienend gebückt. Er hat ihnen sein Vermächtnis unter die Haut gerieben.

Gebet:

Guter Gott, dies ist der Abend des Auszugs

von jüdischen Sklaven in die Freiheit der Töchter und Söhne Gottes.

Dies ist der Abend, an dem Jesus aus Nazareth

seinen Freundinnen und Freunden die Füße wusch

und das Brot mit ihnen brach.

Diese Zeichen hast Du setzen wollen:

Es gibt eine Freiheit der Menschen Gottes

und eine Liebe, die einander dient.

Lass uns von diesem Geist geprägte Gemeinschaft sein

in Christus Jesus, Deinen Sohn und unseren Bruder. Amen

 

Aus dem Johannes Evangelium:

Es war das Paschafest.

Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war,

um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen.

Da er die Seinen liebt, die in der Welt waren,

Es war vor dem Paschafest.

Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war

um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen.

Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren,

liebte er sie bis zur Vollendung.

Es fand ein Mahl statt

und der Teufel

hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot,

schon ins Herz gegeben, ihn auszuliefern.

Jesus,

der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte

und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,

stand vom Mahl auf,

legte sein Gewand ab

und umgürtete sich mit einem Leinentuch.

Dann goss er Wasser in eine Schüssel

und begann, den Jüngern die Füße zu waschen

und mit dem Leinentuch abzutrocknen,

mit dem er umgürtet war.

Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm:

Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht;

Doch später wirst du es begreifen.

Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen!

Jesus erwiderte ihm:

Wenn ich dich nicht wasche,

hast du keinen Anteil an mir.

Da sagte Simon Petrus zu ihm:

Herr, dann nicht nur meine Füße,

sondern auch die Hände und das Haupt.

Jesus sagte zu ihm:

Wer vom Bad kommt, ist ganz rein

Und braucht sich nur noch die Füße zu waschen.

Auch ihr seid rein,

aber nicht alle.

Er wusste nämlich, wer ihn ausliefern würde;

Darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.

Als er ihnen die Füße gewaschen,

sein Gewand wieder angelegt

und Platz genommen hatte,

sagte er zu ihnen:

Begreift ihr, was ich an euch getan habe?

Ihr sagt zu mir Meister und Herr

und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.

Wenn nun ich, der Herr und Meister

Euch die Füße gewaschen habe,

dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.

Ich habe euch ein Beispiel gegeben,

damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

 

Fürbitten:

Gott der Barmherzigkeit und der Liebe, der du uns an deinen Tisch einlädst, wir beten zu dir:

1. Fürbitte: Für alle, die keinen Platz finden am Tisch des Lebens, die ausgegrenzt

werden von der Mahlgemeinschaft, die Verachtung oder Gleichgültigkeit erfahren.

- kurze Stille -

Du Gott der Liebe: Alle: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

2. Fürbitte: Für alle, die anderen die Füße waschen, für die vielen, die zu dienen

bereit sind, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Für alle, die bedient werden und

es verlernt haben, sich zu bücken.

- kurze Stille -

Du Gott der Liebe: Alle: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

3. Fürbitte: Für alle, die im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen

verloren haben: durch die Corona Pandemie, durch andere Erkrankungen, durch

Existenssorgen, durch Krieg und Gewalt,

- kurze Stille –

Du Gott der Liebe: Alle: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

4. Fürbitte: Für die Menschen in Israel und im ganzen Heiligen Land, die auf

Sicherheit, Frieden und Freiheit für alle hoffen;

für die politisch Verantwortlichen, die zur Zusammenarbeit finden müssen für Frieden

und Gerechtigkeit.

- kurze Stille -

Du Gott der Liebe: Alle: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

5. Fürbitte: Für die Menschen in Myanmar, die trotz brutaler Gewalt gegen den

Militärputsch demonstrieren. Für die Menschen in Honkong, die um ihre

demokratischen Rechte gebracht werden.

- kurze Stille -

Du Gott der Liebe: Alle: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

Jesus, wie du dich der Ausgestoßenen, Schwachen, Armen und Verachteten angenommen hast, so soll auch durch uns Liebe in der Welt sichtbar werden, so dass alle Menschen teilnehmen am Festmahl und die Fülle des Lebens empfangen. Amen.

 

Im Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth heißt es:

Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

 

Sie sind eingeladen, als Hausgemeinschaft Brot und Wein miteinander zu teilen.

 

Text von Dorothee Sölle:

O Gott, die du alles geschaffen hast:

Wann wird es so weit sein,

dass wir es sehr gut nennen wie du?

Wann werden wir sichtbar?

Wann wird die Wahrheit erscheinen?

Wann wird man an unseren Gärten und Feldern sehen:

Hier wohnen die sanften Kinder der Erde,

die das Vergewaltigen nicht gelernt haben

und das Plündern verlernten.

Hier wohnen kleine Menschen,

die die Türme nicht in den Himmel bauen

und die Tiere nicht zu Tode testen.

Gott, Freundin der Menschen, Freund der Erde,

komm bald, maranatha, eile,

mache dich sichtbar und uns mit dir:

Töchter und Söhne in deinem Reich.  

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Rasch und hastig – des nachts – räumten die Israeliten ihre Häuser, ließen eilig alle Unfreiheit und Sklaverei hinter sich – und brachen auf im Vertrauen auf Gott – ihre Mitte.

Schnell geht die traute Gemeinschaft des Abendmahls zu Ende und Jesus macht sich auf zum Ölberg in das Dunkel der Nacht und des Verrats. Seine Liebe zu den Menschen lässt ihn diesen Weg in letzter Konsequenz gehen.

 

Gebet :   Jesus Christus, wir begleiten dich in das Dunkel der Nacht hinein. Du bist    diesen Weg in Freiheit gegangen, weil du dich trotz deiner Angst von Gott getragen wusstest. Du musstest deinen Weg zu Ende gehen in Konsequenz zu der Wahrheit, die du verkündet hast. Herr, lass uns bei dir sein und sei du da in aller Dunkelheit unseres Lebens. Bleibe bei uns und lass uns mit dir wachen und beten.

 

Schlusslied:

Bleibet hier und wachtet mit mir.

Wachet und betet, wachet und betet.