Spiritualität

Gottesdienst zum KARFREITAG

 

Zu dem Volk, das unter der Versklavung des Pharao gebeugt geht,

in Knechtschaft lebt und qualvoll darunter leidet, spricht Gott, der Herr:

Ich habe euer Leiden gesehen. Ich werde da sein,

um das Volk aus jeglicher Unterdrückung zu befreien.

Ich werde es nach Hause führen, in ein Land von Milch und Honig,

denn ich bin euer Gott.

 

Zu dem Volk, das wie ein Spielball der Mächte

und wie ein Opfer des Krieges in der Finsternis verloren umherirrt,

spricht Gott:

Das drückende Joch auf eurer Schulter und den Stock des Treibers,

ich werde sie in Stücke zerbrechen.

Ich habe euer Leiden gesehen, die Berge werden abgetragen,

die Waffen werden in Pflugscharen umgeschmiedet,

denn ich bin euer Gott.

 

Zu dem Volk in der Gefangenschaft,

das die Muttersprache verlernt hat und sein Vaterland nicht mehr kennt,

spricht Gott, der Herr:

Ich habe euer Leiden gesehen. Ich bahne euch einen Weg durch

die Wüste. Ich gebe euch ein Zuhause, eine eigene Zukunft.

Ich mache mit euch einen neuen Anfang. Hier ist euer Gott.

In dem Menschen Jesus von Nazaret ist Gott mit uns.

Er hat unsere Leiden gesehen und spricht: "Dies ist mein Sohn!"

Und zu den 5.000 hungrigen Menschen sagt Jesus:

Hier sind fünf Brote und zwei Fische, teilt! Es wird genug sein.

Und zu der Sünderin sagt Jesus: Auch ich verurteile dich nicht.

Und zu dem blinden Bettler: Ich gebe dir sehende Augen.

Und zu dem Lahmen: Nimm deine Bahre und geh'!

Und zu Jairus: Deine Tochter ist nicht gestorben! Gib ihr zu essen!

 

Das Kreuz, das schwer auf euch lastet,

wird Früchte hervorbringen.

Das tote Holz wird zu einem Baum des Lebens.

Die Wüste wird zu fruchtbarem Ackerland.

Der Tod wird aufgehoben, ihr werdet leben.

Ich habe euer Leiden gesehen. Ich bin mit euch.

 

 

Psalm

Herr, du bist unser Helfer und unsere Zuflucht.

In Ewigkeit bleibst du deinem Volk treu.

 

Du lässt uns auf unserem Lebensweg nicht allein.

Am Abend und in der Nacht wachst du über uns.

 

Wenn uns in dunkler Stunde Angst überfällt,

dann bist du unser Schild und unsere Rettung.

 

Wenn unser Gesicht von bitteren Tränen nass ist,

wischt deine Hand all unsere Sorgen weg.

 

Bei dir ruht unser Leben in Geborgenheit,

keine Macht kann uns was anhaben, denn du bist uns nahe.

 

Du schickst mir einen Helfer, wenn ich wanke,

einen Freund, wenn ich völlig erschöpft bin.

 

Du wäschst meine Wunden mit Öl und Balsam

und reichst mir einen Becher Wasser, frisch wie Tau.

 

Du streckst deine Hand über mich aus, wenn ich falle,

wenn ich umkomme in der brennenden Sonne.

 

Dann gibst du mir Schatten in Überfülle,

In deiner Nähe möchte ich ewig leben.

 

Es gibt keinen leidenden Menschen, mit dem du nicht leidest,

und keinen sorgenvollen Menschen, dessen Not du nicht kennst.

 

Darum singt dir die ganze Erde Lob- und Danklieder,

denn du bist ein Gott unendlicher Treue.

 

Die Leidensgeschichte Jesu - und vieler Menschen unserer Zeit

Lukas 23,33-38.44-47

(33) Als sie zur Schädelstätte kamen, kreuzigten sie Jesus und die beiden Verbrecher, den einen rechts von ihm, den anderen links.

(34) Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Dann warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich.

(35) Die Leute standen dabei und schauten zu; auch die führenden Männer des Volkes verlachten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist.

(36) Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig

(37) und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst!

(38) Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden.

(44) Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde.

(45) Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei,

(46) und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus.

(47) Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: Das war wirklich ein gerechter Mensch.

 

 

FÜRBITTEN

 

Beten wir zu Gott, der zu allen, die leiden, sagt:

"Ich werde bei dir sein!"

 

für alle, die schwer krank sind, insbesondere die an Covid 19 Erkrankten,

für alle, die körperlich, psychisch und/oder geistig ein Handicape haben,

für alle, die suchtkrank sind

für alle, die sich nach Linderung ihrer Schmerzen sehnen,

für sie alle bitten wir:

 

um fürsorgliche Familienangehörige, um gute Freunde,

um hilfsbereite Mitmenschen, gute Ärzte und um sachkundige Pflege und Begleitung,

um Aufmerksamkeit und Verständnis, um Zuversicht und Kraft:

und dass wir ein feines Gespür für ihre Schmerzen, Sorgen und Leiden haben

und für sie da sind...

 

Beten wir zu Gott, der zu allen, die leiden, sagt:

"Ich werde bei dir sein!"

 

für ältere Menschen, denen das Leben eine Last geworden ist,

für alle, die in Einsamkeit leben und daher verzweifelt sind

für alle, die in der Angst vor dem morgigen Tag leben angesichts der Pandemie

für alle, die immer mehr vereinsamen und daher isoliert leben,

für sie alle bitten wir:

 

um Trost und die liebevolle Fürsorge hilfsbereiter Mitmenschen:

dass ihre Sorgen und Nöte bemerkt werden und ihnen geholfen wird,

dass sie ermutigt und geschätzt werden um all des Guten willen,

das sie in ihrem Leben bewirkt und getan haben,

und dass wir um sie besorgt und ihnen nahe sind in der Begegnung...

 

Beten wir zu Gott, der zu allen, die leiden, sagt:

"Ich werde bei dir sein!"

 

für alle, die hierzulande und in der Welt Armut und Not leiden

für alle, die vor Gewalt, aus wirtschaftlicher Not oder aufgrund zerstörter Schöpfung flüchten,

für alle, die für sich und ihr Leben keine Zukunft mehr sehen, weil sie obdachlos sind, keinen Ausweg mehr finden und daher entwurzelt und verzweifelt auf der Straße leben,

für sie alle bitten wir:

 

um Solidarität, Bereitschaft zum Teilen und strukturelle Hilfe,

weltweites Engagement für die Rechte der Menschen auf Arbeit, Würde, Frieden und Brot,

einen nachhaltigen und bewahrenden Umgang mit der Schöpfung

und um eine ehrliche und gerechte Verteilung der Güter dieser Erde:

 

Beten wir zu Gott, der zu allen, die leiden, sagt:

"Ich werde bei dir sein!"

 

für die Kinder, die hilflose Opfer von Gewalt,

sexuellen Missbrauchs und brutaler Ausbeutung sind,

für Jugendliche, die sich selbst überlassen werden und keine Orientierung bekommen,

für ältere Menschen, die in der Pflege Vernachlässigung, Gewalt und Missachtung ihrer Person erfahren

für sie alle bitten wir:

um fürsorgliche und fachkundige Begleitung:

dass Kinder unbeschadet aufwachsen können, Jugendlichen Freiheit und Halt vermittelt wird und ältere Menschen Fürsorge und Respekt erfahren....

 

Beten wir zu Gott, der zu allen, die leiden, sagt:

"Ich werde bei dir sein!"

 

für alle, die aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Kultur, ihres Geschlechts oder ihrer Religion verfolgt oder ausgeschlossen werden,

für unsere älteren Glaubensgeschwister, die Juden, und auch für die muslimischen Geschwister

für alle, die Opfer von religiösem Fundamentalismus sind,

für alle Opfer von Krieg, Unterdrückung und Gewalt,

für sie alle bitten wir:

um Frieden und ein Ende allen Unrechts, Aussschlusses und aller Gewalt,

um Respekt und Achtung vor jedem Mitmenschen in seiner Art und religiösen Überzeugung

und um Friedensstifter in den Religionen und Gesellschaften..

 

Guter Gott,

wir wollen nicht vergessen,

wie du dein Volk aus der Versklavung befreit,

wie du ihnen in der Wüste zu essen

und wie du ihnen aus dem Felsen zu trinken gegeben hast.

Du warst bei und mit ihnen,

als beim Zug durch die Wüste ihre Füße geschwollen und wund waren


Sei auch für uns der Gott-mit-uns durch deinen Sohn Jesus.

 

Erfülle und durchdringe uns mit seiner Kraft,

damit wir einander Leben ermöglichen und

unsere Leiden ertragen helfen

und wir miteinander auf die Erfüllung deines Heils vertrauen.

Daher beten wir nun zu dir mit den Worten,

die dein Sohn uns gelehrt und vorgelebt hat:

 

Wenn durch die Tränen hindurch die Menschen dennoch immer wieder aufleben und nicht mutlos werden, sich einander wärmen und miteinander hoffen, dann blüht das Kreuz und wird es zu einem Lebensbaum.