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Welttag der ArmenArmut b

Es gibt viele Welttage. Der Welttag der Armen, in diesem Jahr am 18. November, ist für uns kein Tag wie alle anderen Tage.
Armut verwundet Menschen; sie fühlen sich wie „ausgesetzt"... draußen davor. „Die Antwort Gottes für die Armen ist immer ein rettendes Eingreifen, um die Wunden der Seele und des Leibes zu heilen, um Gerechtigkeit wiederherzustellen und um zu helfen, das Leben in Würde wieder aufzunehmen", so schreibt Papst Franziskus. Und weiter: „Der Welttag der Armen will eine kleine Antwort der ganzen Kirche in aller Welt an die Armen jeder Art und jedes Landes sein, damit sie nicht denken, ihr Schrei sei auf taube Ohren gestoßen... "

Armut hat viele Gesichter;  viele bleiben im Verborgenen, weil Armut „sich versteckt" (d.h. die Betroffenen sich schämen und versuchen, unerkannt zu bleiben ), manche Gesichter schauen durch unsere Türen an Gastkirche und Gasthaus herein - nicht selten befremdlich oder verstörend, da sie ihre Geschichte mitbringen und ihren „Lebensausdruck". Die bewusste Wahrnehmung von Armut und ihrem jeweiligen Gesicht tut uns menschlich gut, weil das lebensbereichernd ist und zu Gesellschaftsveränderungen hinführen kann, die ein „Mehr" an Gerechtigkeit, Solidarität und Menschlichkeit mit sich bringen.

( Ludger Ernsting )

Romero 1-Oscar Romero

Einen Menschen heilig sprechen bedeutet, ihn als Beispiel und Vorbild für den christlichen Glauben und die Nachfolge Jesu hervorzuheben. Zugleich ist dieser Akt auch die Betonung eines Models von Humanität. Für eine Gesellschaft in der Krise vereint Oscar Romero in sich gesellschaftliche Sensibilität, Option für die Schwächsten, intellektuelle Aufrichtigkeit, Courage und Mut, Dialogfähigkeit sowie die Suche nach und das Zeugnis von der Wahrheit. Nicht ohne Grund haben die Vereinten Nationen Romeros Todestag, den 24. März, zum "Internationalen Tag für das Recht auf Wahrheit über schwere Menschenrechtsverletzungen und für die Würde der Opfer erklärt. Romero ist der einzige Heilige der katholischen Kirche, dem die UNO einen Gedenktag gewidmet hat. Am 24. März 1980 wurde Oscar Arnulfo Romero, der Erzbischof von San Salvador, am Altar erschossen. Es war ein politischer Mord: Die Auftraggeber wollten damit eine Stimme zum Schweigen bringen, die sich immer entschiedener für die vielen Armen des Landes gegenüber der reichen Oberschicht eingesetzt hatte. Er ist ein Vorbild für christliche Nächstenliebe und gleichzeitig für weltweite Solidarität mit den Opfern und ihren Rechten.


„neulich“        -       ElendArmut 2

Die Straßenbahn war rappelvoll. An der Haltestelle näherte sich mit Trippelschritten ein älterer Mann – das personifizierte Elend. Die Füße in den Sandalen waren schwarz, offensichtlich nicht nur vom Schmutz. Die Kleidung schien er nie zu wechseln. Umgeben von einer Gestankwolke aus Schweiß, Urin und Alkohol, hangelte er sich mit der rechten Hand in die Bahn, während die linke eine Flasche Fusel umklammerte. Mit ausdrucklosem Gesicht beobachtete er, was jetzt kam: Wie in Panik flüchteten die Menschen um ihn herum, möglichst weit weg ans andere Ende der Bahn. Schnell stand er allein zwischen vielen leeren Sitzen. Bevor er Platz nahm, drehte er sich zu einer Dame um, die stehen geblieben war, und bot ihr mit einer angedeuteten Verbeugung den Platz neben sich an. Ohne zu zögern, setzte sie sich und blieb mehrere Stationen neben ihm sitzen, bevor sie sich mit einem Kopfnicken verabschiedete. Ursprünglich, bevor das Wort „Elend“ in der Bedeutung „Not, Armut, Unglück“ verwendet wurde, bezeichnete es den Fremden, den Ausgestoßenen, der aus der Gemeinschaft verbannt und ausgeschlossen war.

                                                                                                                   Hans Peter Heinrich

fsjlerFSJ (Freiwilliges Soziales Jahr)

An der Gastkirche hat es über lange Jahre Zivildienstleistende gegeben, die die Arbeit an der Heilige-Geist-Str. 7 mit unterstützt  und das All-tagsleben im Hause mitgetragen haben. Seit eini-gen Jahren sind die Zivildienstleistenden von jungen Menschen abgelöst, die ein freiwilliges soziales Jahr hier leisten. Oft sind es Schüler, die nach dem Abschluss der Schule und vor Beginn einer Ausbildung oder der Aufnahme eines Studiums sich sozial engagieren möchten. Sie erhalten in dieser Zeit ein Taschengeld, werden begleitet am Ort und reflektieren in FSJ-Schulungswochen zwischendurch immer wieder auch ihre Lebenssituation und ihr Tun.

Bei uns an der Gastkirche beginnt jeweils zum 1. September ein junger Mensch bis zum 31. August des folgenden Jahres seine Engagement Zeit. Im Augenblick ist Johannes Bücking, der aus Marl stammt, an der Gastkirche tätig. Ab September wird Felix Gietl aus Recklinghausen seine Nachfolge antreten. Es ist schön, dass junge Menschen sich in dieser Weise engagieren und einbringen. An unserem Ort tun sie der Hausgemeinschaft und den Gästen gut. Nicht nur, weil sie organisatorisch vieles leisten, sondern auch als junge Gesichter mit Ideen und Leben. Viele ehemalige FSJ’ler kommen immer mal wieder vorbei und sind uns nach wie vor verbunden. So eine FSJ-Zeit ist schon eine besondere Zeit...

Second-hand-shop – Jacke, Hose und mehr…  second hand a

An der Dortmunder Str. 122 B gibt es eine kleine „Filiale“ der Gastkirche: ein Second-hand-shop. Es ist nicht ein Second-hand-shop in unserer Stadt, wie es viele gibt. Wodurch unter-scheidet sich unser Ort? Zunächst ist er entstanden aus einer ökumenischen Initiative, die auch heute in der Mitarbeiterschaft so lebendig ist: die evangelische Johannesgemeinde, die katho-lische Petrus Canisius Gemeinde und das Gasthaus haben diesen „Laden“ initiiert. Er unterscheidet sich aber noch ein bisschen mehr, denn er ist auch gleichzeitig ein Stadtteil-Treff - direkt neben der Bushaltestelle an der Dortmunder Str. 122 B. Men-schen kommen, um sich zu unterhalten, sich zu treffen … - ein Ort der Begegnung.

Second-hand-Ware dient einem nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen dieser Erde. Unser Laden ist somit auch ein Zeichen gegen jede „Weg-Werf-Unkultur“. Nachhaltigkeit wird durch diesen Ort geprägt. Gleichzeitig ermöglichen die ganz geringen (manchmal eher symbolischen) Geldbeträge für die gut erhal-tenen Kleidungsstücke, eine wesentliche Entlastung für die Haushalts-Portemonnaies in unserer Stadt, die nicht so gut ausgestattet sind. Der Shop ist eine „Sozialstelle“ für nicht wenige Menschen, übrigens nicht nur aus dem Recklinghäuser Osten. Getragen wird das alles von einem lebendigen Team unter der Leitung von Frau Angelika Bergmann und der Geschäftsführung von Herrn Josef Beckmann. Die vielen Ehrenamtlichen geben besonders diesem wichtigen Ort in unserer Stadt ein Gesicht. Demnächst möchten wir den sozialen Akzent mit dem „Treffpunkt-Charakter“ noch ein Stück stärker unterstreichen und diesen Bereich auch durch ein verstärktes Angebot im Bereich sozialer Beratung noch ausbauen: der Second-hand-Laden ein starkes Stadtteilstück im Osten und der Gastkirche.