Stichworte

Auswertung der UMFRAGE des Gasthausrates (18. bis 25.10.20)

auf der Grundlage von 35 Fragebögen

1. Auswirkungen von Corona auf den Glauben verneint über die Hälfte der Befragten. Beim Rest reicht das Spektrum von Theodizee (Wie kann Gott Leid zulassen?) bis „mehr Gottvertrauen“, „Demut, Respekt“ und neue Blickrichtungen auf die biblische Botschaft. Glaubenspraxis und das Leben in der Glaubensge-meinschaft werden als „eingeschränkt“ wahrgenommen.

2.    Das Verhältnis zur Kirche in Corona-Zeit hat sich für über 50% nicht geändert. Ansonsten werden eine zu große Anpassung an staatliche Vorgaben, Überlagerung/Blockierung von wichtigen Themen (Zölibat, Missbrauch..) und zu wenig Engagement der Amtskirche genannt.

3.   Die Wahrnehmung von Gasthaus/Gastkirche wird mit den Attributen

„Offenheit, Engagement, Normalität, Respekt und Dankbarkeit“ beschrieben.

4.   Das Empfinden des aktuellen sonntäglichen Gottesdienstes wird von vielen hinsichtlich des Gottesdienstraumes „Gymnasialkirche“ negativ beeinflusst. Das vertraute, Gemeinschaft stiftende Ambiente der Gastkirche fehlt. Das Hy-gienekonzept wird insgesamt unter den Umständen als angemessen bewertet, wobei es durchaus unter den Antwortenden einzelne „Ausreißer“ gibt, welche mehr oder kein Singen oder größeren Abstand erwarten. Hinsichtlich der Maskenpflicht wird mehrfach die Ausdehnung auch auf die Kommunionausteiler gefordert. (In diesem Fall spricht sich die „auswertende“ Runde, welche ja identisch mit fast dem ganzen Gasthausrat ist, für eine sofortige Umsetzung aus.)

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Corona und Hunger: Weiße Flaggen als Notsignal

Was bei uns eine Gesundheits-, Ausgeh- und Kurzarbeitskrise ist, entwickelt sich in anderen Weltregionen zur Hungerkrise:Ramazzinimix In normalen Zeiten arbeiten sie als Hausangestellte oder Wäscherinnen, als Gärtner oder Fahrer, verkaufen ihre landwirtschaftlichen oder handwerklichen Produkte auf den Märkten größerer Städte, in den Touristenzentren oder als Straßenhändler. Aber nun hat die Corona-Pandemie auch Guatemala erreicht. Wie überall wurden auch in Mittelamerika Maßnahmen beschlossen, um der Verbreiterung des Virus entgegen zu treten. So gilt von 16.00 Uhr am Nachmittag bis um 4.00 Uhr des nächsten Tages eine Ausgangssperre und der öffentliche Busverkehr ist eingestellt worden. Die „Risiken und Nebenwirkungen“: Viele Menschen, die im sog. informellen Bereich arbeiten, ist es nicht mehr möglich, ihre Ar-beitsstellen zu erreichen oder ihre Produkte auf den Märkten zu verkaufen. Die Familien sind nicht in der Lage, Lebensmittel zu kaufen. Nachdem die Schulen geschlossen wurden, werden ihre Kinder auch nicht mehr mit einer war-men Mahlzeit versorgt. Die Kosten für diese zusätzliche Mahlzeit können viele Familien nicht aufbringen. Problematisch ist auch die Gesundheitsversorgung. Die Krankenhäuser befinden sich fast aus-schließlich in den wenigen größeren Städten des Landes und sind für die Landbevölkerung kaum zu erreichen. Die Versorgung mit Desinfektionsmitteln, Handschuhen und Mundschutz ist ungenügend. Die Dunkelziffer der Infizierten wird deutlich über den offiziellen Angaben (ca. 500) liegen. In einem Bericht der Zeitung „Prensa Libre“ berichtet eine Frau: "Wir brauchen Nahrung, aber das ist nicht unsere einzige Sorge. Bei uns gibt es kein fließendes Wasser in unseren einfachen Häusern, so dass das regelmäßige Händewaschen als eine der Hauptbedingungen zur Vermei-dung von Infektionen gar nicht möglich ist.“ In Guatemala sind 60% (!) der Einwohner von Armut betroffen, und die von Covid-19 verur-sachte Krise hat ihre Lage noch verschärft. Weiße Flaggen an den Häusern sind zu einem Not-signal geworden, um die Menschen wissen zu lassen, dass die dort lebenden Menschen keine Lebensmittel mehr haben und hungern. Seit vielen Jahren unterhalten Eine-Welt-Initiativen freundschaftliche Kontakte zu Kardinal Álvaro Ramazzini, der letztmalig im Jahr 2018 Recklinghausen besuchte. In einem Telefonat in der letzten Woche berichtete er von der derzeitigen Situation: „Unser größtes Problem ist, dass die Schutzmaßnahmen vor dem Corona-Virus die Menschen bei uns an den Rand des Hunger-todes bringen.“ Er versucht, ein Netzwerk an Unterstützung aufzubauen.

Moria

Bild1Das traurige Geschehen im Flüchtlingslager Moria und die katastrophale Situation der Flüchtlinge „brennen" sich unlöschbar und darum nachhaltig in die europäische Geschichte ein und ruft nach anderen Wegen europäischer Haltung in der globalen Flüchtlingsproblematik.

Wir können in Europa nicht sagen, dass uns die dramatische Situation in Moria (und auch in den benachbarten Flücht-lingslagern) nicht bekannt war und ist. Zusätzlich steigert Corona die Dramatik der Situation der Menschen in den Lagern. Dennoch geschah nichts. Vielmehr sperrte man die Menschen in Moria weiterhin zu mehr als 15000 Menschen in das Lager ein, das für 3000 Menschen angelegt war. Was hier und an anderen Orten der europäischen Außengrenze geschieht, ist zutiefst inhuman. Papst Franziskus schreibt in diesen Tagen, dass in einem jeden Flüchtling der Jesus gegenwärtig ist, wie er zur Zeit des Herodes zur Flucht gezwungen war, um sich zu retten.

Er schreibt zum Welttag des Flüchtlings am 27.September 2020: „Wir sind aufgerufen, in ihren Gesichtern das Antlitz des hungrigen, durstigen, nackten, fremden und gefangenen Nazareners zu erkennen, der uns fragend anblickt..."

Wir haben in diesen Tagen die Stadt Recklinghausen aufgefordert, im Rahmen des Bünd-nisses „Seebrücke", die Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria zuzusagen.

Instructio


Es gab Post aus Rom. Ein Brief in die Welt und doch für Deutschland gemeint. In einer Instructio, die gute Gedanken enthält, meint man doch römischerseits an entscheidenden Stellen mal eben wieder sagen zu müssen, was geht und was nicht geht... 

Nun hat der Bischof von Münster dazu Stellung genommen. In der Kirchenzeitung sagt er, dass man die Instructio nicht so ernst nehmen müsse. Das ist gut zu wissen. Kurz darauf betont er aber, dass er die Predigt von Nicht-Priestern nach dem Evangelium für nicht richtig hält. So steht es auch in der Instructio. Es ist schon merkwürdig, dass eine bewährte und theologisch verantwortliche Praxis wieder einmal angefragt wird. Aber wie war das: so ernst müsse man das nicht nehmen...

Mir wäre lieb, man würde bischöflicherseits und römischerseits das ernst nehmen, was sich sinnvoll im Gottesvolk entwickelt hat. Ernst-nehmen hat auch seinen Wert.

 

Sonne

Es ist schon gut, dass an vielen Tagen der Einschränkungen und Beschränkungen diesunrise-3533186 1920 Sonne geschienen hat. Es wäre für manchen, zumal wenn man mit mehreren Personen zusammenlebt, vielleicht doch sehr eng geworden, wenn die Sonne nicht den Gang nach draußen ermöglicht hätte.

Für unsere Freunde von der Straße ist es ein Segen, wenn das Wetter mild und sonnig ist.

In einem anderen Sinne ist auch in dieser Corona-Zeit die Sonne aufgegangen: Immer dann, wenn jemand vor der Tür stand, um etwas für den offenen Tisch vorbeizubringen - oder wenn jemand anrief, ob noch Hilfe nötig wäre - oder wo jemand einen Gruß schrieb und seine Verbundenheit ausdrückte... Im Gasthaus hatten wir öfter Sonnenschein als draußen am Himmel in diesen bedrängenden Tagen.

Schön, dass das Licht auch das Symbol für Ostern ist.  "Manchmal feiern wir mitten am Tag ein Fest der Auferstehung..."

Danke allen „österlichen Beiträgen" in dieser Zeit.