Spiritualität

Impuls : 1. Joh. 4,11-16 und Joh. 17,6a.11b-19

„Schau hin“ - so lautet das Motto des dritten ökumenischen Kirchentages, der

in Frankfurt stattfindet – und doch nicht „wirklich“, da es aufgrund der Corona- Situation der erste digitale Kirchentag ist, der sozusagen spirituell „überall und nirgends“ stattfindet.

„Schau hin“ – das ist eigentlich eine gute Ausrichtung auch auf das bevorstehende Pfingstfest hin:

„Schau hin“, was „Geist-voll“ / geist-lich – sein kann.

„Schau hin“, was „Geist- los“ sein kann.

„Schau hin“ – weil Gottes Geist uns bleibend pfingstlich begegnen kann…- und dafür sensibel zu sein / empfänglich: darum darf es uns gehen.

 

Ich möchte Akzente benennen, die mir etwas mit dem Geist Jesu zu tun zu haben scheinen bzw. weniger… und zwei offene Fragen benennen – um gemeinsam

auf Spurensuche zu gehen, ob, wo und wie dort etwas vom Geist Jesu durchkommen kann.

 

Ökumene ist für mich in sich ein geist-liches Geschehen: Menschen unterschiedlicher Prägung schlagen eine Brücke und suchen das Verbindende, ja drücken gemeinsam

ihre Hoffnung, ihr Vertrauen, ihre Liebe… aus.

Jedes Liebes- und Ehepaar – je unterschiedlicher religiöser Verwurzelung – , das Leben und Glauben miteinander teilt, lebt Ökumene – und drückt für mich etwas „Geist-volles“ und „geistliches“ aus. Wenn die Brücke der Verbundenheit stärker ist als die Trennung durch Unterschiedlichkeit – dann ist das für mich ein Wirkort Heiligen Geistes: „überall“ – und durch die Herausforderung an Empathie und Toleranz vielleicht sogar ein bisschen mehr wie jeder andere Ort / jede andere Beziehung - wo Liebe auch Gestalt bekommt.

Es ist gut – wie vieles in christlicher Ökumene – auch in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen auf der Stadtebene hier – selbstverständlich geworden ist.

Und das gleiche gilt für die abrahamitische Ökumene: sie lässt uns mit den jüdischen Glaubensgeschwistern als Kinder Abrahams die Freude von Pessach teilen – wie auch das Leid durch rassistischen Antijudaismus – immer wieder – und gerade in diesen Tagen – wie in unserer Nachbarstadt Gelsenkirchen.

Die abrahamitische Ökumene lässt uns mit den muslimischen Glaubensgeschwistern die Freude des Zuckerfestes am Ende vom Ramadan feiern, aber auch das zugefügte Leid in der Verfolgung teilen – ob im uigurischen Teil Chinas oder in Myanmar, wo die muslimische Minderheit der Rohingyas verfolgt und vertrieben wird.

„Schau hin“ – sagt heute der neutestamentliche Johannesbrief: „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“ - das ist der biblische Geist: und der hat Vorrang - „überall“- vor dem, ob jemand mit katholischen, evangelischen, jüdischen oder muslimischen Hintergrund lebt und glaubt. Wir dürfen und mögen unserer Wurzel treu sein – und doch sind wir eingeladen uns verbindend ausstrecken nach dem einen Licht – verbindend, weil die Liebe nicht trennt: „überall“!

In diesen Tagen konnte man als kirchlicher Insider mitbekommen, dass das Bistum Münster durch Bischof Genn verkünden ließ: eine neue, weitere Strukturveränderung liegt an und kommt. Konkret heißt das: die schon großen Pfarreien werden in einem weiteren Schritt nochmals wieder vergrößert und zu neuen XXXXL Pfarreien

zusammengeplant. Angegebene Gründe: es habe sich vieles verändert – Katholiken würden weniger / Seelsorgepersonal, vor allem Priester auch – und Finanzen auch…

Es wird nirgends ernsthaft spirituell nach den Gründen gefragt / offen zum Überlegen und Handeln eingeladen: der synodale Weg im Moment wäre ja eine Möglichkeit dazu...

Ähnlich wie in der Mißbrauchsthematik geht es auch hier darum: die amtl. Kirche – hier konkret das Bistum Münster durch Bischof Genn – zu retten – jedenfalls eine bestimmte Struktur: in der Leitungsfrage / in der Frauenfrage / im Gemeindever-ständnis – da darf sich nirgends etwas ändern. Und dafür opfert man den Primat des Evangeliums „nahe bei den Menschen zu sein und mit den Menschen auf dem Weg zu sein“. Wieder sind die Subjekte Opfer, weil die, die die Macht der Entscheidung in ihren Händen haben - „geist-los“ - in Wirklichkeit nur ihre Wirklichkeit retten wollen. „Schau hin“ – möchte man fast schreien in Blick auf die dafür Verantwortlichen: Ein weiterer Schritt des Abschieds vom Volke Gottes / ein weiterer Schritt der Trennung von der Lebenswirklichkeit und den Lebensräumen der Menschen / ein weiterer Schritt ins Abseits statt ins Leben...

Mir ist selten so etwas „Geist-loses“ entgegengekommen im Zugehen auf Pfingsten. Ich finde das traurig und halte es – in Blick auf den pfingstlichen Geist – für

„un-gläubig“ und fatal in den Auswirkungen.

„Schau hin“!

 

 

Ich möchte mit zwei offenen Fragen enden, die in eine ganz andere Richtung gehen, die ich aber gesellschaftlich und spirituell für sehr bedeutsam halten und die mich im Moment schon sehr bewegen – eben in dieser pfingstlichen Zeit:

 

1. Wenn der Heilige Geist etwas mit Aufbruch / Neuschöpfung / Bewegung / zu tun hat – was ist ein „geistlicher“ Impuls aus der Erfahrung von Corona?

Welcher Geist will da heraus erwachsen? Sich auftun? Was und wie neu anregen?

 

2. Wenn der Heilige Geist etwas mit Aufbruch / Neuschöpfung / Bewegung zu tun hat – was ist ein „geistlicher“ Impuls im gesellschaftlichen Diskurs zur Thematik selbstbestimmten Tötens zum Lebensende hin?

Das ist eine sehr ernsthafte Auseinandersetzung – in die vieles mit einfließt und ein-

fließen muss. Es gibt da keine glatte und schnelle Antwort. Und doch: Die Thematik ist virulent. Wie sollten wir das nicht „Geist-voll“, „geistlich“ besprechen, beraten, bedenken...Es ist für mich eine offene Frage: was ist ein geistlicher Impuls zu dieser Fragestellung unserer Tage?

Vielleicht mögen Sie mit überlegen – und wir kommen Pfingsten darüber in den Aus-

tausch. Vielleicht in solcher Weise argumentativ und spirituell, dass man denkt oder sagt: „Schau hin“! - das ist hilfreich im Leben und zum Leben.