Spiritualität

Gottesdienst in Stationen


Rathaus Brunnen

  • Skulptur: Bürger tragen ihre Stadt auf dem Rathausplatz

  • Impuls: Wer trägt? Wer wird getragen?


Lesung aus dem Buch Baruch

Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends

und bekleide dich mit der Schmuck der Herrlichkeit,

die Gott dir für immer verleiht!  

Leg den Mantel der göttlichen Gerechtigkeit an;

setz dir die Krone der Herrlichkeit des Ewigen aufs Haupt!  

Denn Gott will deinen Glanz

dem ganzen Erdkreis unter dem Himmel zeigen.

Gott gibt dir für immer den Namen:

Friede der Gerechtigkeit und Herrlichkeit der Gottesfurcht.

Steh auf, Jerusalem, und steig auf die Höhe!

Schau nach Osten und sieh deine Kinder:

Vom Untergang der Sonne bis zum Aufgang

hat das Wort des Heiligen sie gesammelt.

Sie freuen sich, dass Gott an sie gedacht hat.

Denn zu Fuß zogen sie fort von dir,

weggetrieben von Feinden;

Gott aber bringt sie heim zu dir,

ehrenvoll getragen wie in einer königlichen Sänfte.

Denn Gott hat befohlen:

Alle hohen Berge und die ewigen Hügel sollen abgetragen werden

und die Täler sollen ausgefüllt werden zu ebenem Land,

sodass Israel unter der Herrlichkeit Gottes sicher dahinziehen kann.

Wälder und duftende Bäume aller Art spenden Israel Schatten

auf Gottes Geheiß.

Denn Gott führt Israel heim in Freude,

im Licht seiner Herrlichkeit;

Erbarmen und Gerechtigkeit kommen von ihm

  • Jerusalem, sieh deine Kinder, halte Ausschau. Wonach hält Recklinghausen Ausschau? Wer ist im Blick, wer wird übersehen? Wer ist Kind, ist Bürgerin, Bürger dieser Stadt?

  • Senken sollen sich die Berge, heben sollen sich die Täler, damit Israel sicher dahin ziehen kann. Wer schafft und bereitet Wege?

            Bürger tragen ihre Stadt

            Wer trägt diese Stadt?


Die Bettlerin, die im SB Schalter den Müll wegräumt bevor sie dort ein Nickerchen macht

trägt ihre Stadt.

Der Freund von der Straße, der zwei Kumpel in seiner Notwohnung schlafen lässt

trägt diese Stadt.

Die Flaschensammlerin, die nachts durch die Straßen streift und dafür sorgt, dass keine leeren Flaschen herumliegen

trägt diese Stadt.

Die Straßenmusikanten, die der Fußgängerzone Atmosphäre geben

tragen ihre Stadt.

Die Spenderin, die einige Münzen vom erbettelten Geld in den Opferstock der Gastkirche wirft

trägt ihre Stadt.

Der Drogenkranke, der seinen deprimierten Kumpel auf der Platte am Bahnhof tröstet

trägt seine Stadt.

Die Geflüchtete, die abgeschoben werden soll und sich inzwischen ehrenamtlich an der Tafel engagiert

trägt ihre Stadt.

Steh auf, Recklinghausen, steig auf die Höhe,

halte Ausschau nach deinen Menschen,

übersieh sie nicht!

Sie tragen Berge ab und füllen Täler auf!

Wege bereiten sie.

                                                                               (Judith Kohorst)