Spiritualität

Gastkirche Gottesdienst am 05.12.2021

"Station vor dem Weltladen"

Kyrie
Gott, du hast uns eine Erde geschenkt, auf der Platz ist für viele Menschen. Halte uns in deiner Liebe:
Wir hören immer wieder: Das Boot ist voll. Kein Platz in unserem Land. In unserem reichen
Land ist kein Platz – Hab ich das richtig gehört?
Hier, an diesem Ort, dem Weltladen der Gastkirche und an den anderen Verkaufsstellen des fairen Handels in dieser Stadt: in den Kirchengemeinden, Schulen und auf dem Wochenmarkt, versuchen wir, solidarisch zu sein, mit Menschen in der ganzenWelt.
Mit Landarbeiter:innen, die trotz des Fairen Handels kaum von der Arbeit ihrer Hände leben können,

mit Frauen, die geschickt und kreativ sind, aber gegen die Macht der
Handelskonzerne nicht bestehen können.

Mit Menschen, denen ihr Land weggenommen wird. Wir achten die Arbeit der Menschen in Textil- und Schuhfabriken. Was sie nach unseren Modevorstellungen hergestellt haben, werfen wir nicht nach einer Saison weg.
Wir sind für den Klimaschutz in den Wüsten Afrikas, wollen aber keine Stromleitung in unserer Nähe, fahren mit dem Auto zur Arbeit, zum Einkauf, zur Kirche.
Wir kaufen im riesigen Discounter und wundern uns, dass, wenn wir alt sind, kein Laden um die Ecke existiert. Wir sind empört, weil die Schokolade im Weltladen so teuer ist, weil wir es gewohnt sind, im Supermarkt weniger als einen Euro dafürzu zahlen.
Du, unser Gott, vollendest das, was wir nicht schaffen, nicht hinbekommen. Du bist gut.
Unsere Sehnsucht: Ein Leben in Fülle. Dazu gehören.
Gott, du hast uns eine Erde geschenkt, auf der Platz ist für viele Menschen. Halte uns in deiner Liebe: Erbarme dich unser.
Jesus, du bist nahe den Armen, den Schwachen, denen, die in Ungerechtigkeit leben.
In unserem Haus ist kein Platz für eine Alkoholikerin. Kann die nicht in eine Einrichtung gehen, wo „man“ sich um sie kümmert.
Im Nordviertel ist kein Platz für „Sozialen Wohnungsbau“.

Bitte wo anders.
Bruder Jesus, du bist bei dem Kind, das die Hausaufgaben nicht schafft, und dessen Eltern nicht helfen können, den Jugendlichen, die sich keine Markenklamotten oder das neueste Smartphone leisten können.
Du bist mit dem dementen Menschen, der uns zum vierten Mal fragt, wo er ist, wer wir sind.
Du bist auch mit den Kindern der dementen Alten, die weit entfernt wohnen, sich ihr Leben aufgebaut haben, und sich aus der Ferne schwer tun, ihre Verwandten zu begleiten und zu betreuen.
Unsere Sehnsucht: Ein Leben in Fülle. Dazu gehören.

Jesus, du bist nahe den Armen, den Schwachen, denen, die in ungerechten Verhältnissen leben. Erbarme dich unser.

Gott, Geist und Kraft, Hoffnung, Begleitung und Heimat aller Menschen:
„Zeichen und Wunder sahen wir geschehen“. Wir sehen sie auch heute. Hoffnungszeichen.
Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Menschen, die teilen.
Die mutig sind und mahnen. Die aufrichtig sind. Die nicht nur predigen, sondern anpacken.
Unsere Sehnsucht: Ein Leben in Fülle. Dazu gehören.
Gott, Geist und Kraft, Hoffnung, Begleitung und Heimat aller Menschen: Erbarme dich unser.


Markus Gutfleisch, 05.12.2021