Stichworte

Weihnachtsgruß mit Rückblick auf das Jahr 2021

Gastkirche und Gasthaus                „...(sie) fanden    Maria und Josef

Heilige – Geist – Str. 7                    und das Kind,

45657 Recklinghausen                    das in der Krippe lag.“ ( Lk.1,16)
www.gastkirche.de       

Krippe 2021

Recklinghausen, im Dezember 2021                                       

Vor 21 Monaten nahm erstmals Corona Einfluss auf unser menschliches Miteinander…

Zurzeit erleben wir nochmals eine „Welle“ - und die weihnachtliche Zeit wird wieder einmal anders als viele sie sich wünschen. Diese Zeit prägt uns auch an unserem Ort - vor allem aber auch diejenigen, die als Besucher und Gäste zu uns kommen.

 

Bei all den notwendigen und richtigen Vorsichtsmaßnahmen - leidet doch auch Atmosphäre, Miteinander und manchmal auch das geplante Programm.

 

Dennoch: Wir haben vielfach trotzdem Gründe dankbar zu sein: Die Türen von Gasthaus und Gastkirche standen und stehen weiter offen – Dank des Engagements vieler, ob als freiwillig Engagierte oder Spender von Masken, Desinfektionslösung, Lebensmittel...und all dem, was unser Haus das tun lässt, wozu es die offenen Türen hat. Die Solidarität und das Mittragen ist ungebrochen - und das tut gut: den Besuchern und allen Mitarbeitenden.

Dank lässt sich aber auch sagen im Rückblick auf manche Ereignisse, die wir - in und trotz der Situation – begangen haben. So durften wir 25 Jahre Weltladen feiern, eine starke Brücke in die Welt! Mit dem Dank vom ganzen Ladenteam haben wir Herrn Beckmann als Geschäftsführer des Second-hand-shops verabschieden und Herrn Mendla in der Nachfolge begrüßen können. Pilgernd waren wir wieder unterwegs: ob auf dem spanischen Jakobsweg oder beim „Pilgern im Pott“. Als Ort von Citypastoral haben wir mit Prof. P. Zulehner gläubige Zukunftsperspektiven entwickeln dürfen und mit Vertreter*innen der Politik und Verwaltung gestalterische Herausforderungen besprochen: von der Klima- über die Flüchtlingsfrage bis zur Wohnungspolitik. Das eine wie das andere ist auch – dankbar – mit Perspektiverweiterung verbunden. Apropos Klima: bei der großen Fridays-for-future- Demo in unserer Stadt waren wir mit dabei. Auf einem „Stadtgang von unten“ sind wir wieder mit einem ehem. Wohnungslosen unterwegs gewesen, um die „andere Seite“ Recklinghausens besser kennenzulernen. Zwar können z.Z. die Gefängnisgruppenabende in Bochum nicht stattfinden, aber der Gefängnisseelsorger war mit einer Gruppe Freigänger bei uns in Gottesdienst und Haus zu Besuch und es war damit ein spannender Austausch verbunden.

Beim „Offenen Ohr“ und in der Trauerbegleitung konnte manche Hilfe gegeben werden.

Einen anderen Ton brachten die Solidaritätskonzerte und auch der musikalische Part bei unserem Mitarbeiter*innenbegegnungsabend ein. Das war wohlklingend und wohltuend – ebenso wie die Beiträge der musikalischen Gruppen in unseren Gottesdiensten.

Auch im zurückliegenden Jahr war und ist die Flüchtlingsfrage virulent. Wir trafen uns im Arbeitskreis mit anderen Flüchtlingshilfsorganisationen in der Stadt und organisierten ein Gedenken an die 21.000 Toten Mittelmeerflüchtlinge der letzten Jahre. Mit Amnesty International haben wir am Initiativtag der „Städte gegen die Todesstrafe“ eine Aktion für Mohammad Haddadi, der im Iran zum Tode verurteilt ist, durchgeführt – verbunden mit einem Brief an ihn. Wir hoffen, dass er ankommt…

Dank gilt auch den in besonderer Weise noch einmal „tragenden Säulen“ der Gasthausarbeit: dem Freundeskreis „Solidarisches Handeln“, der das Gasthaus - wie auch die globalen Partnerschaftsprojekte sehr stark trägt. Auch der Gasthausrat ist da ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt. In diesem Jahr haben wir hier für die nächsten drei Jahre neu gewählt – und man darf dem neuen Rat Kreativität, Offenheit und alles Gute wünschen.

Seit gut einem Jahr gibt es eine neue Leitung innerhalb der Brüder-gemeinschaft der Canisianer, die der Rechtsträger der Gastkirche ist. Bruder Ralf und Bruder Bernhard sind die „Gesichter“ der Brüdergemeinschaft, für deren Engagement wir dankbar sind, hier vor Ort. Mit dem Brüderrat und dem neuen Leiter, Br. Konrad, der an Pfingsten mit uns den Gottesdienst gefeiert hat, sind wir im Gespräch über eine gute weitere Zukunft. Personell bewegt uns auch einiges: die Brüdergemein-schaft hat zur Zeit keine freien Kapazitäten, wodurch hier eine Stelle seit längerer Zeit nicht mehr besetzt ist. Mit Helmuth Heinze haben wir da eine -zeitlich befristete –gute Hilfe für diese Stelle gefunden. Sr. Judith Kohorst wurde zur Leiterin ihrer Gemeinschaft im Kloster Lüdinghausen gewählt. Das ist sehr erfreulich, bedeutet aber für uns, dass 50% ihrer Stelle für das Gasthaus wegfallen und wir nach Ersatz suchen müssen. Es ist Grund zum Dank, dass die anderen Mitarbeiter*innen diese Situation z.Z. mittragen. Nicht zuletzt sind wir auch dankbar für unsere zwei FSJ´ler, die, zupackend und nett, eine Bereicherung sind – wie überhaupt alle, die dem Gasthaus und der Gastkirche an ihrem Ort des Engagements ein Gesicht geben: auch in und trotz Corona- Zeit!

„Bürger tragen die Stadt“ - so ist der Titel einer Skulptur von Heinrich Brockmeier vor unserem Rathaus in Recklinghausen. Bei einem adventlichen Stationengottesdienst (der vollständige Gottesdienst ist auf unserer Homepage zu finden unter „Lebendiges Leben→Spiritualität) hat Sr. Judith Kohorst dort Facetten benannt, die in der Regel nicht so im Focus stehen:

 

Wer trägt diese Stadt?

Die Bettlerin, die im SB Schalter den Müll wegräumt

bevor sie dort ein Nickerchen macht – trägt ihre Stadt.

 

Der Freund von der Straße,

der zwei Kumpel in seiner Notwohnung schlafen lässt – trägt diese Stadt.

 

Die Flaschensammlerin, die nachts durch die Straßen streift

und dafür sorgt, dass keine leeren Flaschen herumliegen – trägt diese Stadt.

 

Die Straßenmusikanten,

die der Fußgängerzone Atmosphäre geben – tragen ihre Stadt.

 

Der Drogenkranke, der seinen deprimierten Kumpel

auf der Platte am Bahnhof tröstet – trägt seine Stadt.

 

Die Geflüchtete, die abgeschoben werden soll

und sich zwischenzeitlich ehrenamtlich an der Tafel engagiert – trägt diese Stadt.

 

Und ich ergänze: Alle, die dem „Kind in der Krippe von Bethlehem“ Raum geben

- und damit in den Menschen in Armut und am Rande „Gott entdecken“

- tragen eine Menschlichkeit in Stadt und Land,

in der Gott „Hand und Fuß“ bekommt.

 

In diesem Sinne wünschen wir ein frohes Weihnachtsfest – an dem der göttliche Funke der Menschlichkeit uns wieder neu berührt: Frohe und gesegnete Weihnachtstage und Gottes Weggeleit im Neuen Jahr 2022

Kommunität und Gasthausrat